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Harte Hasen

2005-02-19 23:32:00 -

Kabarettisten auf neuen Pfaden: Stermann und Grissemann über ihr neues Programm.

Die Presseinformationen zu „Harte Hasen“ gestalten sich recht kryptisch … Die Nasen der Hasen, die Energie verbreiten … Was hat es damit auf sich?


Stermann: Ich glaube, dass man es bis jetzt nur kryptisch erzählen kann. Ich glaube, wir werden dann sehr überrascht sein, was auf der Bühne passieren wird. Es wird wohl eine Art Improvisationstheater. Wir kannten über die „Harten Hasen“ auch nur diese Legende. Mehr wussten wir nicht.


Grissemann: Aber durch die Berührung dieser zwei Hasen sind wir andere Menschen geworden.


Stermann: Weil die Kraft dieser zwei Hasen auf uns übergegangen ist. – Und wir gesundet sind. In Wahrheit geht es darum, dass wir eine Art Kur gemacht haben. Jetzt, ohne Alkohol auf der Bühne, ist es auch eine völlig neue Erfahrung für uns. Das bietet natürlich ganz neue, ganz andere Möglichkeiten. Man kann viel konzentrierter arbeiten.


Grissemann: Wir sind völlig neu, gereinigt, und durch die Begegnung mit den Hasen frei und karthatisch aufgeladen und zum ersten Mal mit positiver Ausstrahlung.


Nach der Premiere der Hasen spielt ihr in Deutschland trotzdem noch die Ohrfeigenanstalt…


Grissemann: In Deutschland spielen wir das alte, in Österreich das neue. Es ist schwierige Gedankenarbeit, Geistesarbeit, ständig herum zu switchen. Zumal vom Harte Hasen-Programm erst 6 Zeilen existieren. Da muss jetzt dick gearbeitet werden. Es wird alles neu.


Stermann: Wir als Menschen ja auch quasi. Wir wollen uns ja völlig anders präsentieren. Wir wollen zwei Jungbrunnen auf der Bühne sein. Es wird auch schwer beim Programmswitchen – dann am einen Tag ...


Grissemann: ... am einen Tag muss man den zerschlagenen Alkoholiker spielen und am nächsten Tag wieder den jungen, frischen ...


Adonis.


Stermann: Adonis, genau. Adonis ist vielleicht das richtige Wort.


Es wird also auch keine Ohrfeigen mehr geben.


Stermann: Nur an den Tagen, an denen wir in Deutschland das alte Programm spielen. In Österreich wird’s keine Ohrfeigen mehr geben. Österreich ist eine völlig ohrfeigenfreie Zone. Darum freuen wir uns auch sehr auf die Dialoge.


Weil du mal nicht am Boden liegst.


Stermann: Ja, sicher. Aber auch umgekehrt: Weil es ja auch keinen Spaß macht, immer auch verbal nur Ohrfeigen zu verteilen. Auch der, der die Ohrfeige gibt, den schmerzt das ja viel mehr als den anderen.


Auch keine verbalen Ohrfeigen mehr?!


Grissemann: Es soll schon ein Programm werden, das relativ frei ist von Zynismus. Also alles, wofür wir gestanden sind, soll da raus. Es wird eher ein freundliches Amusement verbreitet. Keine taktischen Gemeinheiten.


Eher ironisch und nicht sarkastisch.


Grissemann: Genau. Eher die feine Klinge und nicht derber Sarkasmus. Um uns eine völlig neue Publikumsschicht zu erschließen: Nämlich die Frauen ab 55. Und es gibt zwei ausgestopfte Hasen immer mit auf der Bühne. Das ist zum ersten Mal in unserer Karriere, dass wir an so was wie ein Bühnenbild gedacht haben.


Stermann: Es wird also insofern eine Art Vierpersonenstück.


Grissemann: Vier leblose Geschöpfe …


Stermann: … ausgestopft und mit feuchten Nasen.


Das Programm wird dann auch nicht politisch, wenn ihr versucht, keine verbalen Ohrfeigen auszuteilen?


Grissemann: Äh, es ist so schwer über was zu reden, was noch gar nicht existiert, aber ich glaube, es wird nicht politisch (lacht), oder? (Blick zu Stermann)


Stermann: Ich weiß es nicht. Glaub’ ich nicht. Wir waren ja auch noch nie politisch. Für uns war ja Politik – von der Bedeutung her – nicht viel anders als das Schlagerkarussell. Jörg Haider hat für uns ja keine andere Bedeutung als Howard Carpendale. Das waren einfach Figuren, die sich in der Öffentlichkeit bewegen, für uns also gleich bedeutend. Nur: es interessiert uns viel, viel weniger als ohnehin schon. Auch das Reden über etwas ... Es wird immer schwieriger, weil alles schon gesagt wurde und alles so unbedeutend ist.


Grissemann: Und es ist einfach wirklich etwas Jämmerliches irgendwie ... beginnen, sich Witze über Ursula Haubner zu überlegen. Dann könnte man den Beruf gar nicht mehr ernst nehmen. Oder österreichische Innenpolitik. Dann lieber einen Querschnittsgelähmten in einem Glawoggerfilm spielen.


Ihr habt ja in den letzten Jahren relativ viel abseits von Moderation, Kabarett und euren Büchern gemacht – das Kinderbuch von dir, Dirk, oder die Filme ... Was reizt noch am Kabarett?


Stermann: Eigentlich sind wir inzwischen eher Theaterschauspieler, möchte ich fast sagen.


Grissemann: Genau, wenn man „Seele brennt!“ hernimmt … also wir sind Schwab-Darsteller ........ Wir haben jetzt irrsinnig lange als Kabarett, wenn man es so bezeichnen will, Pause gemacht – und wir freuen uns drauf. Einen engen Terminkalender zu habe und noch mal dieses Tourfeeling zu haben. 12 Mal hintereinander aufzutreten. Ich finde es ganz reizvoll, das wieder zu machen. Ein allerletztes Mal im großen Stil aufzutreten. Da freu ich mich drauf ...


Das allerletzte Mal ...


Grissemann: Fast jedes Programm von uns ist das allerletzte.


„Das Ende zweier Entertainer“, nicht wahr?


Stermann: Wir prolongieren immer dieses Ende.


Grissemann: Mal schauen, ob das wieder funktioniert. Das weiß ich nicht. Vielleicht kommt ja auch keiner.


Stermann: Es gibt einem aber auch einen gewissen Halt, dadurch, dass man so viele Termine hat, muss man sich nicht überlegen, was man machen soll. Weil das im Terminplan schon festgelegt ist.


Aber man kann doch nicht sagen, dass das eine Beschäftigungstherapie ist.


Stermann: Doch, für uns ist es auch eine Beschäftigungstherapie. Ich finde das sehr angenehm.


Grissemann: Wenn du auf Tour bist, hast du oft das Gefühl, entmündigt zu sein. Wenn du in einen Bus gesperrt wirst und von Ort zu Ort – Orte, die du teilweise auch gar nicht kennst – gekarrt wirst und dir ein Hotelzimmerschlüssel in die Hand gedrückt wird und du nicht weißt, wo das ist, was das ist, welcher Veranstalter das ist, da kriegt man überhaupt nichts mehr mit. Man kommt auch raus aus dem Alltag. Aber es kann einen auch kaputt machen natürlich.


Stermann: Du bist 60 Tage quasi wie so ein Kriegsgefangener. Immer irgendwo ein neues Sträflingslager.


Grissemann: Nur, dass wir keine Handschellen haben. Aber sonst ist alles gleich.


Stermann: Die Handschellen sind dann die Verträge mit den Veranstaltern. Die man uns um den Finger wickelt.

Und halt jeden Abend so ne psychische Belastung. Das ist auch angenehm, finde ich, weil’s halt so unangenehm ist. Aber das ist auch so – man fühlt sich irgendwie so am Leben teilnehmend. Obwohl es das genaue Gegenteil ist. Aber es ist intensiv. Zu touren ist intensiv.


Habt ihr noch Angst, auf die Bühne zu gehen?


Grissemann: Ich hab’ immer Angst, auf die Bühne zu gehen. Angst ist ein ständiger Begleiter. Weil man ja nie weiß, wie die Zuschauer reagieren. Und es gibt nichts Schlimmeres, als vor leeren Gesichtern zu stehen. Du merkst innerhalb von fünf Minuten, ob der Abend funktioniert oder nicht. Und wenn du merkst, es funktioniert nicht, sind die nächsten 85 Minuten die reinste Hölle.


Stermann: Aber je länger du das spielst, umso einfacher wird es. Wenn du das zwei Jahre lang gespielt hast, kannst du es einfach so gut, dieses Stück, dann ist das so wie eine Erholungskur. Weil du an nichts denkst, sondern weißt, was du an dem Abend machst. Und genau dann ist es meistens so, dass du ein neues Programm machen musst. Genau dann, wenn’s für dich selber sehr angenehm wird, hörst du wieder auf. Bei Hader ist das ja super, dass der „Privat“ so lange spielen konnte; weil er so viel Publikum hatte, dass er 10 Jahre gar nicht nachdenken musste. 10 Jahre lang völlige Entspannung auf der Bühne, weil er alles genau wusste.


Ich stolpere immer wieder im Zusammenhang mit Film über euch ... Du, Christof, mit „Nacktschnecken“ in deiner Rolle als Hermann, was ja eigentlich eine ganze Parallelhandlung hätte sein sollen …


Grissemann: Hätte sein sollen … ja (lacht)


Und dein Kurzauftritt bei „Silentium!“, Dirk ...


Stermann: Was ja ursprünglich auch eine Parallelhandlung werden sollte (lacht) Man muss ja auch sehr vorsichtig sein mit der Rollenauswahl. Wir haben beide sehr lange gezögert, viele Bücher gelesen, viel verworfen, (lacht), bis dann jeweils die richtige Rolle dabei war ... Maßgeschneidert. Das war dann für uns geschrieben, auf uns.


Was warst du noch mal in „Silentium!“? – Der Chauffeur eines Zuhälters?


Stermann: Nein, ich war ein Zuhälter und zwar der, der nicht am Steuer saß. Ich war ...... es sagt sich immer so leicht, aber ich hatte ja nur zwei Sätze, und diese dann richtig anzulegen, ist extrem schwierig. Wenn du sehr viel Text hast, ist das ja leicht, aber ... da sagt man nur einen Satz.


... und du, Christoph, musstest die Marie rezitieren...


Grissemann: Ich hatte völlig freie Hand.


Ach, das war improvisiert?


Grissemann: Das war mehr oder weniger improvisiert und ich habe dann auch erfahren, dass kurz überlegt wurde, diese kleine Minirolle auch noch raus zu schneiden, aber mein Freund Michael Glawogger hat dann, nur, um die Freundschaft aufrecht zu erhalten, das Stück, was ja überhaupt nicht in den Film passt, trotzdem drinnen zu lassen.


Michael Ostrowski hat gemeint, es sei eine interne Hommage.


Grissemann: Ja ja, genau. Aber das klingt jetzt so, als wäre ich krebskrank und wir lassen’s drinnen, weil er sich freut, der alte Narr.


Und ihr schreibt ja auch Drehbücher – „Letzte Lichter“ – mit Jürgen Dose/Heinz Strunk gemeinsam.


Grissemann: Ja, das ist ein Filmprojekt, das wir seit zwei Jahren jetzt verfolgen. Coop99 wird das machen.


Stermann: Die Produktionsfirma wartet verzweifelt darauf, dass wir’s fertig schreiben.


Aber der Zeitmangel …


Stermann: Ja, der Zeitmangel. Aber jetzt, durch die Berührung mit den „Harten Hasen“ kommt natürlich ein ganz neuer Schwung rein.


Ihr seid momentan jeden Tag ausgebucht …


Stermann: Einstweilen müssen wir viel machen, aber es geht trotzdem irgendwie. Wir können jetzt ja auch in unserem eigenen Leben Parallelhandlungen einführen (lacht). Aber stimmt schon. Wir sind beide mehr oder weniger zum Film gewechselt, kann man sagen.


Grissemann: Auch wenn die ganz großen Erfolge noch ausbleiben…