_quotes - Being Nicole Albiez

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Liebe auf dem Seziertisch

2005-01-29 18:05:00 -

Hollywood gewinnt mehr an Bodenhaftung: Closer überrascht mit einem überzeugenden Quartett und direkter Sprache.

"Von der Liebe und ihren Bedingungen im 21. Jahrhundert" – oder eher: "Von der Verliebtheit und ihren Bedingungen …", so hätte Patrick Marber sein vielfach Preis gekröntes und in nunmehr 30 Sprachen übersetztes Stück auch nennen können. Moderne Beziehungen sind es, die Closer mit erfrischend unverblümter, direkter Sprache seziert: Was ist übrig geblieben von Liebe und Treue, regiert der Sex, das Ego? Die pessimistische Antwort wird in die prägnantesten Situationen im Beziehungsgeflecht zwischen zwei Männern und zwei Frauen gebündelt präsentiert: Momente, in denen Herzen gebrochen und neue Richtungen eingeschlagen werden. Schließlich sind es diejenigen, die in der Erinnerung haften bleiben, die Anfänge und Enden. Was dazwischen liegt, lässt der Dialogfilm aus; die Quintessenz jedoch ist nicht gerade rosig: von Intimität und Loyalität keine Spur.
Die Charaktere bewegen sich im Wellengang, taumelnd, tänzelnd, umeinander herum. Sie wollen alles und nichts – obwohl sie selbst nicht zu erahnen scheinen, was sie erfüllen würde. Glück ist nicht das Entscheidende, vielmehr der Machtkampf, der sich zwischen den beiden Männern entspinnt. Hautnah glauben sich die geschiedene Fotografin (Julia Roberts), der gescheiterte Schriftsteller (Jude Law), die Stripperin (Natalie Portman) und der Arzt (Clive Owen) zu kommen, doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Unter die Haut schafft es aber immerhin die Filmproduktion aus einem Hollywood, das langsam mehr an Bodenhaftung gewinnt. Es verzichtet auf utopische Fügungen und nähert sich mit schonungsloser Direktheit der entromantisierten Realität, was wohl Patrick Marbers Angst vor "Hollywoodisierung" zu verdanken ist, die ihn jahrelang davon abhielt, die Filmrechte zu verkaufen. Erst auf Mike Nichols ließ sich Marber ein, steuert gar selbst das Drehbuch bei. Denn Nichols kennt die Materie, hetzte er doch bereits 1966 in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? ein Paar aufeinander. Das Warten hat sich gelohnt: Die messerscharfen Dialoge und die distanzierte Inszenierung begeistern!

HAUTNAH / CLOSER
USA 2004. Regie: Mike Nichols.
Nach dem gleichnamigen Theaterstück von Patrick Marber
Mit Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman, Clive Owen.

Verleih: Columbia Pictures. 105 Min.