Stermann & Grissemann. – In denen Nahtoderfahrungen, Umschulungen und Wurstplatten diskutiert werden.
50 Fragen in 30 Minuten. Vorzeige-Journalist Moritz von Uslar hätte doppelt so viele geschafft (und auch bessere gestellt), aber immerhin sitzen vor mir gleich zwei Herren. – Da dauert der Part mit den Antworten per se schon ein bisschen länger. Besonders, wenn sich Dirk Stermann und Christoph Grissemann knapp zuvor übereuphorisch vor Lukas Becks Objektiv geräkelt haben. Außerdem gilt’s einen Film zu promoten: "Immer nie am Meer", das Langfilmdebüt der beiden Kabarattisten und Radiomacher, bei dem auch Heinz Strunk auf dem Rücksitz sitzt. Also los:
1. Dick, Patsch, Im Wald-Heim – einige Titel standen während der Produktionsphase zur Debatte. Und nun überraschend doch das Zurückgreifen auf den erprobten Titel Immer nie am Meer. Wie das?
STERMANN: Der Titel war tatsächlich das Schwierigste an dem ganzen Projekt: Nichts passte. Wir hatten aber immer das Gefühl, seit wir damals dieses Buch so benannt haben, dass „Immer nie am Meer“ ein guter Titel ist. Der zu allem passt, was wir machen; weil es immer dieses Gefühl ausdrückt. So war es irgendwann logisch, diesen Film auch so zu nennen.
2. Immer nie am Meer ist auch ein Titel, den ihr den Moulinettes mal für einen Song „geschenkt“ habt. Was halten die davon, dass auf das Buch und den Song eine – freie – Verfilmung folgt?
STERMANN: Die wissen’s noch nicht. Aber ich kann es ihnen ausrichten lassen, weil sie Freunde von einem Freund von mir sind.
3. Mit einem Kammerspiel durchgehend zu unterhalten, ist nicht gerade leicht. Viele sind daran gescheitert. Wieso wusstet ihr, dass euch das nicht passieren wird?
GRISSEMANN: Das wissen wir bis heute eigentlich nicht. Ich behaupte ja, dass der Film in weiten Teilen ziemlich gescheitert ist sogar. Aber trotzdem kann man ihn sich anschauen. Aber das ist kein großer Wurf. Auch was das Schauspielerische betrifft, wie du richtig ansprichst, ist es das Schwierigste. Und wären da andere Kaliber im Auto gesessen, dann hätte er auch die Chance gehabt ein interessanter Film zu werden. So ist dieser Film mit unseren doch eher durchschnittlichen Schauspieltalenten über weite Strecken ein bisschen langatmig, aber trotzdem nicht uncharmant.
4. Heinz Strunk strauchelte ab und zu ein wenig an der Tatsache, kein Schauspieler zu sein. Und aus seinen Augen flammte das Wort „Scheitern“. Andererseits meinte er, es könnte euch allen zugute kommen. Welche Ansicht ist euch sympathischer?
GRISSEMANN: Ich hatte vor dem Film auch diese Haltung, nach dem Filmen, nach der Ansicht der ersten Bilder weiß ich, dass es schon von Vorteil gewesen wäre, wenn man ein ausgebildeter Schauspieler wäre. Also ich habe jetzt, nachdem ich den ersten Film meines Lebens gedreht habe, weiß ich, wie schwer es ist, ein guter Schauspieler zu sein. Und dass ich es nicht bin, das weiß ich auch.
5. Wie kommt Antonin Svoboda ins Spiel?
STERMANN: Er hat immer wieder gefragt, ob wir etwas zusammen machen; er war sehr maßgeblich daran beteiligt, dass etwas passiert. Wir sind ja eher faul, oder wussten auch irgendwie, dass das vielleicht nicht unser Ding ist.
6. Macht das deinen Freund, Regisseur Michael Glawogger nicht traurig?
GRISSEMANN: Ja, der beschimpft mich regelmäßig in Lokalen, wenn ich ihn betrunken treffe. Ernsthaft. Er sagt, er will mit mir nichts mehr zu tun haben. Natürlich halbironisch, aber ich glaube schon, dass er’s ein bisschen ernst meint. Mit dem Glawogger hätte ich’s ja wahnsinnig gerne gemacht. Ich halte auch irrsinnig viel von ihm, aber das muss man dem Antonin schon zugute halten, dass er dran geblieben ist. Von den anderen, den Glawoggers, gab’s immer nur wage Angebote, zwischen drei Bieren, „ja, machen wir mal irgendwas“, während uns Antonin immer ganz konkret gedrängt hat, weiter zu arbeiten.
7. Wollte Antonin Svoboda den Dreh mal abbrechen?
STERMANN: Nie!
GRISSEMANN: Man kann über Antonin Svoboda echt nichts Schlechtes sagen – außer dass wir einmal in seinem Haus im Waldviertel waren, als es fast abgebrannt wäre. Eine Wolldecke neben dem Ofen ist über Nacht komplett verschmort. Hätte die Feuer gefangen, wäre es wahrscheinlich wirklich so gewesen, dass wir verbrannt wären, weil wir ja oben geschlafen haben.
8. Das war das Horrorszenario. Gab’s auch einen besten Moment beim Drehen?
STERMANN: Ich hatte das Gefühl, dass der Film was wird, als die das Auto gekauft haben. Als sie uns Fotos gezeigt haben vom Auto, vom Unfallauto, als es noch fahren musste, auch. Und da wusste ich, dass es konkret wird. Dann gab es plötzlich einen Rattentrainer; wir haben den Namen von diesem Rattentrainer gehört und …
GRISSEMANN: … es war alles so professionell! Fast unheimlich! Der Kameramann zum Beispiel, Martin Gschlacht, ist ein derartiger Profi … ein wirklich beängstigend guter Mann. Da sind wir uns immer eher ein bisschen schlecht vorgekommen am Set, weil alle so professionell gearbeitet haben, nur wir sind keine ausgebildeten Schauspieler. Unser Trick war ja – ich kann mich nur erinnern, wie wir immer wieder zusammen gesessen sind und immer wieder gesagt haben –: Gutes Schauspiel ist es dann, wenn man nicht so viel tut. Also nicht so viel Louis de Funès-mäßiges Overacting, der Schuss ging aber, glaube ich, ein bisschen nach hinten los, weil man sich das nur dann erlauben kann, wenn man schon ein guter Schauspieler ist. Wenn man seine Gesten und Mimik eh nicht so im Griff hat und sich dann auch noch dazu entscheidet, nichts zu tun, dann hätte man auch gleich drei Leichen ins Auto setzen können.
9. Was haben Antonin Svoboda und Jörg Kalt am Drehbuch verändert?
STERMANN: Als wir die erste Fassung abgegeben und gesagt haben: „Überraschend, aber toll, innerhalb von zwei Wochen haben wir dieses Buch geschrieben!“ hat uns Anton relativ fassungslos angerufen und gesagt: „Erstens ist es unglaublich schlecht, zweitens ist es nur 25 Minuten lang. Und das ist zu kurz.“ Woraufhin wir gesagt haben: „Gut, jetzt wird’s aber langsam mühsam“. Dann kam Jörg Kalt dazu, um aus der ersten Fassung eine Geschichte zu machen, die ca. 90 Min. lang war.
10. Wie viel von euch steckt in Anzengruber und Baisch?
GRISSEMANN: Wahrscheinlich relativ viel, aber auch deswegen, weil’s leichter ist zu spielen, wenn die Figur nah an dir selbst geschrieben ist. Sonst wären wir ja unendlich überfordert gewesen. Wenn ich einen Matrosen aus Frankreich hätte spielen müssen.
11. Und Heinz Strunks ist Schwanenmeister …
GRISSEMANN: Ja, Heinz Strunk ist exakt der erfolglose Komiker (lacht). STERMANN Stermann ist ein schleimiger Geschichtsprofessor, also auch sehr nah, und ich bin ein dauerbetrunkener Idiot. Auch nicht unnah. (lacht)
12. Wenn schon so viel von euch dreien in Schwanenmeister, Baisch und Anzengruber steckt, wer ist das Pendant zum experimentierfreudigen Monster Toni?
STERMANN: Toni ist reine Fiktion. Wir kennen keinen, der so ist. Gott sei Dank. Obwohl es teilweise interessant ist, ein Kind zu beobachten, das so ist.
13. Wieso ist Toni nicht mehr – wie ursprünglich vorgesehen – fettleibig?
STERMANN: Weil der Darsteller von Toni der Beste beim Casting war. Es gab beim Casting zwei Drittel dickere und ein Drittel dünnere Kinder. Und er war der Beste.
GRISSEMANN: Stimmt. Aber es gab auch einen dicken Guten, dann ist die Entscheidung aber auf den Dünnen gefallen, weil es uns beim Dicken vielleicht zu unangenehm gewesen wäre – von wegen „jetzt machen sie sich auch noch über den Dicken lustig“ und so. Ein heikles Thema. Ich wollte auch nicht, dass dann vielleicht die Familie vom dicken Jungen im Kino sitzt und weint. Weil sie sieht, wie da der Dicke fertig gemacht wird.
14. Große Freunde von „McGyver“? – Weil aus einer Brille und einem Stück Seil eine Falle für Toni konstruiert werden kann?
STERMANN: Nein, gar nicht.
15. – Oder kam das Jörg Kalt?
GRISSEMANN (lacht): Das waren wir. Oder war das vielleicht doch Jörg?
STERMANN: Ich weiß es nicht mehr. Aber ich finde es grundsätzlich immer ganz gut, wenn die Leute in solchen Katastrophenfilmen irgendwas haben, mit dem sie noch irgendwas machen können. Sodass sie mit dem leben können, was sie da haben. Und es musste auch noch irgendwas passieren, dramaturgisch, bei dem Film.
GRISSEMANN: Es gab auch den frühen Einwand, dass zu wenig passiert. Und dann hieß es auch, warum nicht mit dem Bogen, den man da im Auto hat, und mit der Brille und dem Seil versucht eine dramaturgische Wendung rein zu bringen. Was dann aber eh scheitert. Wir fangen ihn ja nicht. Oder fangen wir ihn? (lacht)
16. Was wären die letzten Worte von Baisch und Anzengruber?
GRISSEMANN: Bei mir wahrscheinlich wie auch so oft im Film: „Ich kann nicht mehr.“ „ICH – KANN – NICHT – MEHR.“
STERMANN: Baisch würde so was sagen wie „Wird schon werden.“ … „Kopf hoch, meine Herren“.
17. Was macht Heinz Strunk gerade?
GRISSEMANN: Gestern haben wir telefoniert, da waren wir beide in der Badewanne. Er badet. Er war zwei Wochen auf Fuerteventura, ist nach Hause gekommen und hat sich ausgiebig gebadet. Und gekämmt.
18. Was würde Bruder Stefan, Kulturchef beim profil, über den Film schreiben?
GRISSEMANN: Ich habe echt keine Ahnung, der hat ja so einen strangen Filmgeschmack. Vielleicht gefällt der dem sogar (lacht).
19. Mögt ihr euren Film?
GRISSEMANN: Ich fand die ersten zwanzig Minuten echt super, war überrascht, wie gut es ist, dann hat eine FURCHTBARE Langeweile eingesetzt. Ich finde, es geht in der Mitte nicht richtig voran, das Ende finde ich wieder gut. Es ist ja auch gut, dass Langeweile gezeigt wird, das wollten wir ja auch. Man will – man MUSS – diese banalen Momente des Wartens zeigen; in denen nichts passiert. Aber das geht halt auch auf Kosten der Spannung. Ein zweischneidiges Schwert! – Einerseits ist es gut abgebildet, was die Realität betrifft, andererseits ist es ein bisschen langweilig.
20. Größte Angst, in einem Auto zu sterben, wo du doch keinen Führerschein hast?
GRISSEMANN: Ja … Hm … Aber ich glaube, ich würde auch in einem Flugzeug nicht gern sterben, und ich habe keinen Flugschein. Ich glaube, mir wäre grundsätzlich fast lieber, im Auto zu sterben als auf offener Straße. Weil man da immer noch ein Dach über dem Kopf hat. Und insgesamt ist das Feeling im Auto ja gar nicht so unangenehm gewesen. Es kam auch nie zu einer klaustrophobischen Lagerkoller-Situation.
21. Echt wahr, dass die Lust am Moderieren erloschen ist?
GRISSEMANN: Wirkt das so? – Nein … Ich verliere die Grundsatzmotivation am Radiomachen nie. Auch wenn ich oft nicht will (lacht).
STERMANN: Obwohl … Ich habe gestern von einer Frau gehört, die so gerne Radio machen würde; die ist schon älter und arbeitet beim Standard, und das habe ich nicht verstanden; da musste ich erstmal wieder abstrahieren: „Ach so, ach ja, deswegen möchte man gerne Radio machen.“ – Weil ich das nie so für mich formuliert hätte, dass das so toll ist, beim Radio zu arbeiten. Ich wollte es ja auch nie, hab’s halt durch Zufall gemacht. Aber ich habe ein bisschen vergessen, glaube ich, was daran gut ist.
22. Ist Salon Helga eher so was wie Heimat oder eine lästige Pflicht?
GRISSEMANN: Es ist beides. Gott sei Dank noch mehr Heimat als lästige Pflicht.
STERMANN: Heimat ist ja auch oft lästig. – Da sind ja auch Steuern zahlen und wählen, mit dem Wahlergebnis leben usw.
23. Stimmt zumindest in eurem Fall die musikalische These Video killed the radio star?
GRISSEMANN: Nein. Schuster bleib’ bei deinen Leisten.
24. Stimmt es, dass, Blech oder Blume aus deutschen Radiogeräten dringt, die auf Radio Eins geerdet sind?
GRISSEMANN: Gab’s. Ist auch schon wieder weg.
25. Wann macht ihr euch an euer neues Stück, das im Herbst erwartet wird?
GRISSEMANN: Ab März wird vehement daran gearbeitet.
26. Hat es schon einen Namen?
GRISSEMANN: Ja: ENTUSIASME. Das passt einfach zu uns (lacht).
27. Schon mal an einen Gagschreiber gedacht?
BEIDE SYNCHRON: Oft!
GRISSEMANN: Aber es hat nie richtig gepasst. Weil wir halt keine Schauspieler sind, die Gags aufsagen. Und es immer selbst gemacht haben. Du kannst Witze, die andere Leute schreiben, nicht so gut bringen, dass sie zu dir passen.
STERMANN: Es sei denn, du hast sie gestohlen. Das geht. Das kann man dann auch gut machen. Aber was nicht geht, ist, dass man weiß, das hat jemand für einen geschrieben. Dann hat man immer ein schlechtes Gewissen, während man das sagt. Beim Stehlen nicht. Wenn du so tust, als wäre das dein Satz, dann nicht.
28. Was ist aus dem Harte Hasen-Vorsatz geworden, (auf der Bühne) nichts mehr zu trinken?
STERMANN: Ich trinke wirklich fast nichts mehr auf der Bühne.
GRISSEMANN: Und ich trinke viel weniger (grinst). Ich habe eine kleine Mineralwasserflasche, angefüllt mit Weißem Spritzer. D.h. ich trinke während zwei Stunden Bühne 0,33 l Weißer Spritzer. Das ist ja wirklich lächerlich.
29. Hat die derzeitige, auf FM4 gesendete Frühmorgen-Jogging-Aktion mit eurem übernatürlich gesunden Hasen-Leben zu tun?
STERMANN: Nein, eher mit dem Alter. Du achtest dann auch mehr auf dich und deinen Körper. Damit er so schön bleibt, der Körper, wie er immer schon war.
30. Was ist der bisherige Rekord bei den 550 Metern, die Argentinierstraße entlang? (1 Min. 28 ist das Ziel)
GRISSEMANN: Ich glaub, so 1,48,6.
31. Werdet ihr den noch übertreffen?
STERMANN: Wir arbeiten ständig daran!
GRISSEMANN: Ja, das muss schon noch unter 1,30 funktionieren!
32. Gibt’s das geplante Reisebuch noch?
STERMANN: Ja, wir können nur noch wenig darüber sagen.
33. Reist ihr da nur gedanklich? Oder wird das – ähnlich wie das Drehbuch zu Immer nie am Meer „on the road“ geschrieben? (Dom. Rep.)
STERMANN: Gedanklich.
GRISSEMANN: Wir werden wahrscheinlich schon wo hinreisen müssen, weil wir Fotos machen wollen von armseligen Gegenden …
STERMANN: Wir machen im März Fotos in Florida, wo’s aber nicht so armselig ausschaut. Wir müssen da hin und fangen dort an zu schreiben. Das ist so ähnlich wie das, was wir für FM4 gemacht haben, die Urlaubspostkarten.
34. Warum reist es sich mit dem Tropenverlag besser als mit der Edition Selene?
GRISSEMANN: Weil die Edition Selene nicht mehr existiert.
STERMANN: Oh doch! Die gibt’s wieder. – Aber das ist immer so: Das war auch bei Selene so, dass man uns gefragt hat, ob wir nicht ein Buch machen wollen. Und bei Tropen war das jetzt auch so, dass sie gefragt haben.
GRISSEMANN: Wer fragt, schafft an.
STERMANN: Das ist bei Antonin so gewesen …
GRISSEMANN: Nur bei Lukas Beck müssen wir immer fragen. Er käme ja nie auf die Idee, uns zu fragen, ob wir was machen wollen (lacht in Richtung Fotokamera)
35. Es gab jüngst eine Kinski-Lesung, heiß beliebte Schwab-Abende – welche Literaten stehen noch nahe?
STERMANN: Wenn der Rabenhof nicht so unglaublich lahmarschig wäre, hätten wir schon … Wir wollen gerne einen Bernhard-Abend machen. Einstweilen ist der Termin Frühjahr 08, zusammen mit Hilde Sochor, die ja dann Mitte 80 schon ist. Darauf freuen wir uns schon sehr. Es soll ein Potpourri werden. Wir hätten gerne „Ritter, Dene, Voss“ gemacht
GRISSEMANN: „Grissemann, Stermann, Sochor spielen Ritter, Dene, Voss“, eine gute Idee!
STERMANN: Aber sie findet, dass die das schon so gut gespielt haben, dass man das nicht noch mal machen darf.
GRISSEMANN: Und jetzt ist so die Idee, das „Bernhard on 45“ zu nennen, die besten Sätze aus den verschiedenen Stücken und Büchern zusammen collagieren. Ähnlich wie der Schwab-Abend. Und ich glaube auch, das wird gut funktionieren, weil der hochkomisch auf der einen Seite und tieftraurig auf der anderen Seite ist. Passt auch total in die Rabenhof-Attitüde.
36. Wer könnte umgekehrt euch lesen?
GRISSEMANN: Ich finde, das einzige, das Franz Morak gut kann, ist vorlesen.
STERMANN: Und Ludwig Hirsch. Morak und Hirsch.
GRISSEMANN: Ja, das sind beide gute Leser.
37. Was wurde aus der Speibbanane?
STERMANN: Die liegt wahrscheinlich bleischwer in irgendwelchen Regalen.
38. Was sagt Tochter Hanna zu deinen „Machenschaften“?
STERMANN: Die findet das ganz gut, überwiegend.
39. Auch, wenn sie jetzt in der Pubertät ist?
STERMANN: Ja. Jetzt ist es halt auch ganz gut: Jetzt ist FM4-Fest, und dann kann ich halt Karten für ihre Freunde besorgen. Langsam findet sie’s sinnvoll.
GRISSEMANN: Ja, das ist cool.
STERMANN: FM4-T-Shirts mag sie und findet sie cool. Und die hören halt alle diese Morgenrubrik, wenn die beim Frühstück sitzen, ihre Mitschüler.
GRISSEMANN: Echt? Und was sagen die? Lustig oder fad?
STERMANN: Die sind immer freundlich zu mir.
GRISSEMANN: Müssen sie ja.
40. Abgesehen von den Möglichkeiten, die du da für deine Tochter hast: Was sind die schönen Seiten des Ruhms?
STERMANN: Dass Lukas Beck einen fotografiert (lacht). Die schönste Seite ist tatsächlich, dass einem die Leute auf der Straße zulächeln.
GRISSEMANN: Ja, das ist schön. Was ich auch super finde, ist, dass man, wenn man z.B. auf Tour ist, immer was zu essen kriegt. Wenn man wahnsinnigen Hunger hat und von irgendwo kommt, ist schon diese schöne Platte da. Die Wurst- und die Käseplatte, die wir schon so gut kennen.
STERMANN: Ich find’ die nur schrecklich, die Wurstplatte. Schon allein das Wort finde ich unerträglich.
GRISSEMANN: Aber man wird halt so wie ein dummes Kleinkind behandelt, das finde ich ganz gut. Weil alles für einen gemacht wird.
STERMANN: Ja, das finde ich auch gut.
41. Wann zum letzten Mal nicht erkannt worden?
STERMANN: Total oft!
GRISSEMANN: Jetzt gerade, beim Fototermin mit Lukas Beck (lacht)
STERMANN: Lukas Beck wollte erst den Gärtner und seine Frau fotografieren.
42. Stilvollste Person, mit der ihr je gearbeitet habt? Abgesehen von Lukas Beck natürlich?
STERMANN: Rosa Enskat.
GRISSEMANN: Ja, Rosa Enskat. Eine Schauspielerin aus Berlin. Die am Maxim-Gorki-Theater arbeitet. Leider zu unrecht relativ unbekannt.
STERMANN: Sie hat einen unglaublich aufrechten Gang.
GRISSEMANN: Ja! Der Gang. Und die Art zu reden! Alles irgendwie.
STERMANN: Und die Frisur, sie hatte so ‚ne gute 20er-Jahre-Frisur. Und Hilde Sochor natürlich.
GRISSEMANN: Aber da ist es nicht der Gang (lacht).
STERMANN: Für mich auch der Gang.
43. Was ist das „Schönste Ding der Welt“?
STERMANN: Eine Waage, die weniger anzeigt als beim letzten Mal.
44. Willst du Zahlen nennen?
STERMANN: Es sind so niedrige Ziffern, dass ich damit nur Menschen mit Gewichtsproblem demütigen würde (lacht).
45. Abgesehen davon, wie schlank du bist, Dirk, was war das schönste Kompliment, das ihr je erhalten habt?
GRISSEMANN: Dass ich wahnsinnig schön bin. Das höre ich aber öfters. Nein, aber: Ich kriege eigentlich relativ selten Komplimente leider. Wenn ich Komplimente kriege, dann sind das meistens Dinge über uns beide „Ihr seid …“ – Man denkt uns immer zusammen. Das ist für eine eigene Identität relativ katastrophal.
STERMANN: Mein nettestes Kompliment erhielt ich von einer Freundin meiner Tochter, die Stress mit ihrer Mutter hatte. Ich hab’ ihr gesagt: „Du musst aber irgendwie klarkommen mit ihr“ – Darauf sie: „Willst du mich nicht adoptieren? Willst du nicht meine Mutter werden?“ – Das fand ich sehr nett, denn die war schon 15. – Und wusste, dass sie damit auch einen Witz macht. Das fand ich nett!
46. Werdet ihr in 20 Jahren noch zusammen sein?
GRISSEMANN: Das hoffe ich, weil ich sonst nicht wüsste, was ich tun soll. Ich bin alleine kaum vorstellbar, du schon, STERMANN, ich weiß, du kannst irgendwelche Kaufhäuser eröffnen und für Volvo deine Brummbärstimme hergeben, ich bin ja anspruchsvoller und könnte natürlich nicht diese demütigenden Jobs, die Stermann macht, allein machen. Ich bin da nicht so käuflich wie er.
STERMANN: Weiß ich nicht. Wenn man anfängt zu arbeiten, macht man sich keine Gedanken; und ich finde, man sollte sich ab einem gewissen Moment auch keine Gedanken mehr machen. Solche Gedanken nicht. Man soll einfach so machen, irgendwie. Eher alles etwas spaßhaft betrachten und nicht so „was ist in 20 Jahren“
47. Das heißt, du denkst auch nicht darüber nach, wann ihr die letzte Gelegenheit hattet, aus eurem Leben auszusteigen?
STERMANN: Die haben wir ständig! Das denke ich ganz oft!
GRISSEMANN: Wie … aber … meinst du, sich umzubringen?
Buchhalter werden, sich umbringen, …
GRISSEMANN: Ach so! (lacht)
STERMANN: Fotograf werden? … Nein, das will ich nicht, dann lieber tot ……… (lacht)
GRISSEMANN: An eine wirkliche Umschulung haben wir noch nicht gedacht, aber es kann sein, wenn der Film ein Komplettflop wird, es sehr schnell akut werden kann. Aber mit 40 jetzt umschulen auf Datenbankadministrator … das ist auch schwierig. Weil man schwer vermittelbar ist. Ich kann ja auch wirklich gar nichts.
48. 40 ist ein schönes Stichwort: Ist das Rock’n’Roll-Leben vorbei?
STERMANN: Für mich ja. Das, was es impliziert, ist vorbei. Weil man das schon so viele Jahre mitbekommen hat … Man hat eine größere Distanz dazu.
GRISSEMANN: Mittlerweile reicht echt oft schon die Wurstplatte und das kleine Bier, so traurig es ist, um es irgendwie nett zu haben.
49. Ist das kleine Bier auch das Getränk, das euch am besten steht?
GRISSEMANN: Glaub’ ich nicht. Aber es schmeckt mir am besten. Aber ich weiß schon natürlich, dass es eher ein relativ banales Getränk ist. Es ist nicht sehr glamourös. Ich denke, David Bowie wird wahrscheinlich keine kleinen Biere trinken. Aber ich bin alles, nur nicht David Bowie.
50. Macht es aber zumindest Spaß, Grissemann und Stermann zu sein?
GRISSEMANN: Ja mehr, als Steinböck und Rudle zu sein. (lacht) Aber vielleicht wär’s besser, Dennis Hopper zu sein. Wahrscheinlich sogar. Aber auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei 1 schlecht ist – ist es noch eine 4. Immerhin.
(12. 1. 2007 für Wien live)